Allgemeine Hinweise zur artgerechten Haltung von Wasserschildkröten

von Hendrik Pempelfort

Immer wieder finden sich in Foren und Facebookgruppen Fragen zur artgerechten Haltung von Wasserschildkröten. Diese Fragen lassen sich natürlich konkret nur für die jeweiligen Arten beantworten, allerdings gibt es einige allgemeine Hinweise, die man zur artgerechten Haltung von Wasserschildkröten bezogen auf die einzelnen Gattungen geben kann. Diese helfen zum Beispiel Neueinsteigern in der Wasserschildkrötenhaltung, sich zumindest einen groben ersten Überblick zu verschaffen und die grundlegenden Unterschiede in der Haltung der verschiedenen Gattungen zu erhalten. Dennoch der Hinweis: Hat man sich für eine konkrete Art entschieden, sollte versucht werden, das natürliche Habitat nachzuempfinden. Die konkreten Ansprüche beispielsweise der tatsächlich notwendigen Beckengröße und Einrichtung des Aquaterrariums, die Ansprüche an Temperaturen und Beleuchtungslängen im Jahreszyklus sowie die Fütterung können nicht per Allgemeininformation vermittelt werden. Dieser Artikel dient lediglich als erste Einführung.

 

Die technische Ausstattung des Aquaterrariums

 

Auf dieser Seite wurden schon verschiedene Informationen zur technischen Ausstattung der Aquaterrarien für die artgerechte Haltung von Wasserschildkröten gegeben. An dieser Stelle soll also nur zusammengefasst werden, welche Dinge benötigt werden. Gezielte Informationen finden sich auf den Kapiteln, welche auf der linken Seite im Menü aufgerufen werden können.

·         Beleuchtung: Die richtige Beleuchtung ist das A und O in der Wasserschildkrötenhaltung. Da die meisten Tiere kein direktes Sonnenlicht bekommen (dies ist nur in geschützten Teich- bzw. Gewächshausanlagen möglich), muss die nötige UV-B-Bestrahlung künstlich nachgebildet werden. Dafür eignen sich vor allem Halogenmetalldampflampen (die in der Regel ein Vorschaltgerät erfordern). Auf dem Sonnenplatz müssen lokal 40-45°C erreicht werden.

·         Filterung: Die Wasserwerte spielen bei der Haltung von Wasserschildkröten keine übergeordnete Rolle, dennoch sollten diese kontrolliert werden. Vor allem zu viel Nitrat und die Umwandlung in das schädliche Nitrit müssen überwacht werden. Zur Reinigung des Wassers und der Ansiedlung von nützlichen Filterbakterien eignen sich Topf-Außenfilter besonders gut. Aber auch Blumenkastenfilter (z.B. mit Efeutute) oder Hamburger Mattenfilter sind geeignet, um Schwebeteilchen aus dem Wasser zu entfernen und die Wasserqualität auf einem konstanten Niveau zu halten.

·         Heizung: Nicht alle Arten benötigen eine Beheizung des Wassers, solange das Aquaterrarium in einem normal beheizten Wohnraum steht. Arten, die aus tropischen bzw. subtropischen Regionen kommen, benötigen meist ganzjährig relativ hohe Temperaturen – hierfür sind dann Heizstäbe nötig.

 

Schmuckschildkröten

 

Zu den Schmuckschildkröten zählen die Buchstaben-Schmuckschildkröten (Trachemys spp.), die Echten Schmuckschildkröten (Pseudemys spp.), die Höckerschildkröten (Graptemys spp.), die Zierschildkröten (Chrysemys picta ssp.), die Diamantschildkröten (Malaclemys terrapin ssp.) sowie die Langhals-Schmuckschildkröten (Deirochelys reticularia ssp.). Für die Haltung von Schmuckschildkröten eignen sich vor allem geräumige Aquaterrarien, die einen möglichst hohen Wasserstand aufweisen sollten: Schmuckschildkröten schwimmen Bahnen im Becken von links nach rechts und oben und unten. Kurzum: Sie haben einen enormen Bewegungsdrang. Auf einen Bodengrund kann verzichtet werden, jedoch sollte dann der Aquariumboden mit Silikon bestrichen werden. Mit Bodengrund sieht das Aquaterrarium nicht nur ansprechender aus, die Schildkröten durchwühlen diesen auch gerne bei der Futtersuche und beschäftigen sich auf diese Weise. Eine Bepflanzung des Beckens ist aufgrund der omnivoren Ernährung der Tiere in den meisten Fällen nicht möglich, da die eingebrachten Pflanzen schlichtweg gefressen werden. Dennoch und gerade deswegen sollten sich immer ausreichend Wasserpflanzen im Becken befinden, die dann an der Wasseroberfläche schwimmen. So bildet sich ein Pflanzenpolster, welches von den Tieren gerne als Entspannungs- und Rückzugsort genutzt wird. Auf eine ausgiebige Strukturierung des Beckens kann verzichtet werden. Eingebrachte Wurzeln und Steine sollten fest verankert werden, da die Tiere diese problemlos im Becken bewegen können. Das Geld, das man bei der Beckeneinrichtung sparen kann, sollte direkt in eine optimale Beleuchtung investiert werden: Schmuckschildkröten sind wahre Sonnenanbeter. Ein absolut trockener Landteil ist deswegen unabdingbar.

 

Schlammschildkröten

 

Die hier genannten Hinweise beziehen sich vorwiegend auf die Haltung von Schlammschildkröten der Gattungen der Moschusschildkröten (Sternotherus spp.) sowie der Klappschildkröten (Kinosternon spp.). Anders als Schmuckschildkröten benötigen Schlammschildkröten keinen extrem hohen Wasserstand. Zwar handelt es sich nicht um schlechte Schwimmer, wie man es in veralteter Literatur häufig liest, doch bewegen sie sich vorwiegend laufend und kletternd fort. Dennoch sind Wasserstände von 30 cm anzustreben. Aus dem zuvor genannten Bewegungsverhalten der Tiere leitet sich ab, dass die Aquaterrarien für Schlammschildkröten nicht sonderlich lang sein müssen. Für die Haltung dieser Gattungen eignen sich stattdessen eher Becken mit einer größeren Grundfläche, die reine Kantenlänge ist (anders als bei Schmuckschildkröten) nicht ausschlaggebend. Schlammschildkröten ernähren sich vorwiegend carnivor, weshalb eine Bepflanzung meist ohne Probleme möglich ist. Oftmals werden diese jedoch bei der Futtersuche ausgebuddelt. Des Weiteren sollte das Becken durch Wurzeln und Steine gut strukturiert werden. Hat man sich einmal mit seinen Tieren auf die Laufwege geeinigt, bleiben Bepflanzung und Dekoration in der Regel erhalten. In den Bodengrund (Sand hat sich hier bewährt), auf den bei Schlammschildkröten nicht verzichtet werden sollte, können Tontöpfe eingelegt werden, wodurch kleinere Höhlen entstehen. Einige Halter berichten, dass sich ihre Schlammschildkröten gar nicht sonnen, bei anderen werden Sonnenplätze ausgiebig genutzt. Deswegen sollte eine gute UV-B-Beleuchtung angeboten werden.

 

Sumpfschildkröten

 

Die wohl am häufigsten gehaltene Sumpfschildkröte ist die Tropfenschildkröte (Clemmys guttata). Die Haltung von Sumpfschildkröten ist im Allgemeinen anspruchsvoller als die der vorherigen Gattungen, weswegen eine gewisse Sachkunde vorhanden sein sollte. Hat man sich gut informiert, stellt die Haltung jedoch keinerlei Probleme dar Das Becken für eine Sumpfschildkröte entspricht im Wesentlichen den Becken von Schlammschildkröten: Auch hier zählt vor allem die Grundfläche des Aquaterrariums sowie eine möglichst gute Strukturierung durch Pflanzen, Wurzeln und Steine. Jedoch muss dem Landteil bei Sumpfschildkröten eine wesentlich größere Beachtung geschenkt werden. Dieser sollte mindestens etwa einem Drittel des Wasserteils entsprechen und mit einer dicken Schicht Moos gefüllt werden, welches stetig feucht gehalten werden muss. Außerdem sonnen sich Sumpfschildkröten wesentlich ausgiebiger als Schlammschildkröten, jedoch nicht so stark wie Schmuckschildkröten. Sie ernähren sich omnivor, jedoch werden tierische Futtermittel in den meisten Fällen deutlich bevorzugt.

 

Der Unterschied zwischen der Haltung von Männchen und Weibchen

 

Im Grunde gibt es zwischen der Haltung von männlichen und weiblichen Tieren keine großen Unterschiede. Allerdings benötigen Weibchen spätestens mit Erreichen der Geschlechtsreife einen Eiablageplatz. Steht dieser dann nicht zur Verfügung, kann es zu einer Legenot kommen, die im schlimmsten Fall tödlich enden kann. Für männliche Tiere reicht beispielsweise eine Korkrinde, die zwischen Vorder- und Rückwand eingeklemmt wird oder eine ins Becken eingehangene Weidenholzbrücke. Außerdem gibt es bei einigen Arten Unterschiede in der Ernährung. So fressen weibliche Höckerschildkröten meist mehr Pflanzen als ihre männlichen Artgenossen. Dies muss jedoch im Einzelfall konkret auf die Art bezogen recherchiert werden.

 

Gruppenhaltung von Wasserschildkröten

 

Direkt vorweggesagt: Wasserschildkröten sind und bleiben Einzelgänger. Keine Wasserschildkröte wird aufgrund von Einsamkeit verenden – andererseits kann es durchaus passieren, dass Tiere aufgrund von Bissverletzungen oder Stress sterben. Deswegen sei an dieser Stelle ausdrücklich die Einzelhaltung empfohlen. Die Gruppenhaltung kann funktionieren, allerdings müssen die Tiere dann aufmerksam beobachtet werden, denn es kann von heute auf morgen zu Streitereien kommen. In diesem Fall müssen die Tiere dann umgehend getrennt werden. Wer diese Möglichkeit nicht hat, sollte die Einzelhaltung vorziehen. Die gemeinsame Haltung von Arten mit gänzlich anderen Ansprüchen an die klimatischen Bedingungen, Ernährung sowie Beckeneinrichtung ist grundsätzlich abzulehnen, da es unmöglich ist, allen unterschiedlichen Ansprüchen in einem Becken gerecht zu werden.

 

Weiterführende Literatur:

 

Becker, Herbert (2010): Aufzuchtbecken für südostasiatische und nordamerikanische Wasser- und Sumpfschildkröten. – Online: URL: http://clemmys.de/literatur/frame-set.html.

Buhlmann, Kurt, Tuberville, Tracey & Gibbons, J. Whitfield (2008): Turtles of the Southeast. – Georgia (The University of Georgia Press): 252 S.

Ernst, Carl H. & Lovich, Jeffrey E. (2009): Turtles of the United States and Canada – Second Edition. –  Baltimore (The John Hopkins University Press): 827 S.

Hennig, Andreas S. (2003): Zierschildkröten. – Münster (Natur und Tier – Verlag): 79 S.

-     2004: Haltung von Wasserschildkröten. – Münster (Natur und Tier – Verlag): 125 S.

-     2016: Lebensweise, Haltung & Zucht: Tropfen- & Waldbachschildkröte. – Frankfurt am Main (Edition Chimaira): 94 S.

Praschag, Reiner (2005): Die Flache Moschusschildkröte (Sternotherus depressus Tinkle & Webb, 1955). – Marginata, Münster, 2 (1): 20-30.

-     2013: Großkopfschildkröten in Natur und menschlicher Obhut: Teil 1. – Marginata, Münster, 10 (3): 20-30.

-     2014: Großkopfschildkröten in Natur und menschlicher Obhut: Teil 3. – Marginata, Münster, 11 (4):

Roddewig, Ewald (2014): Haltung und Zucht der Gattung Graptemys bei artgerechter Pflege in menschlicher Obhut: Teil 1. – Sacalia, Stiefern, 44 (12): 15-33.

Schaffer, Gerhard (2005): Die Aufzucht von Jungtieren verschiedener Arten der Moschusschildkröten. – Marginata, Münster, 2 (1): 54-56.

Schilde, Maik (2001): Schlammschildkröten: Kinosternon, Sternotherus, Claudius und Staurotypus. – Münster (Natur und Tier – Verlag): 133 S.

Wapelhorst, Xaver (2011): Schmuckschildkröten halten & pflegen, beobachten & verstehen. – Stuttgart (Kosmos-Verlag): 73 S.

-     2017: Wasserschildkröten-Fibel. – Ettlingen (Dähne-Verlag): 95 S.

 

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