Haltung der Gewöhnlichen Moschusschildkröte (Sternotherus odoratus)- von Hendrik Pempelfort Nachdem nun bereits das Verbreitungsgebiet, die Ernährungsweise und die Zucht der Gewöhnlichen Moschusschildkröte dargestellt wurden, soll es nun einige Informationen zur Haltung dieser interessanten Wasserschildkrötenart geben. Grundsätzlich kann die Haltung der Gewöhnlichen Moschusschildkröte als ziemlich leicht beschrieben werden, wodurch sie durchaus für Anfänger geeignet ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Wasserschildkröten ist Sternotherus odoratus recht robust, durch das große Verbreitungsgebiet bewohnt sie in der Natur die unterschiedlichsten Gewässertypen. Informationen über Aufzuchtbecken junger Moschusschildkröten finden sich [hier]. Für die Haltung adulter Moschusschildkröten eignen sich Aquaterrarien ab einem Fassungsvermögen von 112 Litern, also Standardbecken mit den Maßen 80 x 35 x 40 cm. Da alle Moschusschildkröten keine ausdauernden Schwimmer sind und sich meist eher laufend und kletternd fortbewegen, ist die Grundfläche des Beckens jedoch wichtiger als die reine Länge. Das bedeutet: Ein Becken von 80 x 60 cm und einem Wasserstand zwischen 20 und 30 cm ist besser geeignet als ein Becken mit den Maßen 100 x 40 cm mit demselben Wasserstand. Obwohl Moschusschildkröten nicht so ausgiebig schwimmen wie es Schmuckschildkröten tun, sollten sie nicht bei zu niedrigem Wasserstand gehalten werden. 20 cm stellen das Minimum dar, 30 cm sind anzustreben. Da Moschusschildkröten in der Regel nicht erfolgreich vergesellschaftet werden können, empfiehlt sich die strikte Einzelhaltung in zuvor genannten Becken. Die technische Ausstattung der Becken für die Haltung von Sternotherus odoratus hält sich in Grenzen: Gefiltert werden kann das Becken durch Topf-Außenfilter oder Hamburger Mattenfilter, eine Beheizung des Aquaterrariums ist in normal temperierten Wohnräumen nicht nötig. Bei Sternotherus odoratus ist es, wie bei allen Schlammschildkröten der Unterfamilie Eigentlichen Schlammschildkröten (Kinosterninae), besonders wichtig, das Aquaterrarium gut zu strukturieren. Ein Becken mit oben genannten Maßen bringt dem Tier erstaunlich wenig, wenn es kahl ist. Doch wie sollte das Becken nun eingerichtet werden? Als Bodengrund hat sich eine 5-8 cm hohe Sandschicht bewährt. Eine so hohe Sandschicht hat mehrere Vorteile: Pflanzen, die in einem Moschusschildkröten-Becken keinesfalls fehlen sollten, können besser wurzeln; wenn sie bereits in einer gewissen Tiefe eingepflanzt werden, buddelt die Schildkröte sie auch nicht direkt wieder aus. Außerdem können die Tiere die Sandschicht nach Futter durchsuchen und sind so durch ihr natürliches Verhalten beschäftigt. Neben einem Bodengrund und einer ausreichenden Bepflanzung sollten Wurzeln und Steine ins Becken eingebracht werden. Hindernisse, die dem Tier im Weg stehen, müssen überklettert werden und dienen gleichzeitig als natürliche Versteckmöglichkeiten. Hierzu können des Weiteren Tontöpfe in den Bodengrund eingesetzt werden, wodurch kleine Höhlen entstehen. Durch eine so geschaffene Strukturierung des Aquaterrariums wirkt es also nicht nur für den Halter ansprechender, sondern auch für das Tier. Damit man alle Ausprägungen des natürlichen Verhaltens beobachten kann, darf ein wichtiger Einrichtungsgegenstand nicht fehlen: ein Landteil. Nun ist oftmals zu lesen, dass Moschusschildkröten, im Grunde alle Schlammschildkröten einen Landteil meiden würden. Dies stimmt sicherlich für einige Individuen, die Mehrheit der Tiere nutzt einen idealen Landteil mit guter Beleuchtung jedoch durchaus regelmäßig. Besonders gerne werden dabei große Korkäste genutzt, welche in etwa so breit sind, wie das Tier selber. Wenn dann eine HQI-Lampe mit UV-B-Anteil beispielsweise auf die Mitte des Astes strahlt und dort eine lokale Temperatur von 40-45 °C erreicht wird, können viele Moschusschildkröten bei Sonnenbädern beobachtet werden. Sie bevorzugen hierbei Landteile, von denen sie direkt wieder ins Wasser flüchten können. Wie bereits erwähnt gibt es jedoch auch Tiere, die selbst unter idealen Bedingungen den Landteil nur sehr selten aufsuchen. Geschlechtsreife Weibchen (in der Regel mit einer Größe von etwa 5-6 cm Panzerlänge) brauchen notwendigerweise einen Eiablageplatz. Durch das riesige Verbreitungsgebiet von Sternotherus odoratus ist es nicht ganz einfach zu sagen, wie die Tiere idealerweise in Bezug auf den Jahreszyklus gehalten werden sollen. Tiere aus dem Süden Floridas sind ganzjährig aktiv, Tiere aus dem kanadischen Raum überwintern bis zu fünf Monate. Grundsätzlich hat es sich etabliert, die Tiere zwischen November und Februar für zwei bis vier Monate in die Winterstarre zu überführen. Hierfür müssen die Tiere langsam auf die Starre vorbereitet werden, heißt: Die Beleuchtungslänge wird über mehrere Wochen langsam verkürzt, bis die schließlich ganz abgeschaltet wird. Dann kommen die Tiere in kleinen Plastikboxen in den Kühlschrank oder Keller. Auch eine verminderte Aktivitätsphase bei 10-15 °C und ausgeschalteter Beleuchtung ist vertretbar. In diesem Fall verbleiben die Tiere in ihren Becken und werden maximal einmal wöchentlich mit kleinen Portionen gefüttert.
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